Projekt „Rent a Jew“ in der EF

Rent-a-Jew.jpg„Rent a Jew: Kennen Sie einen Juden? Nein?! Mieten Sie sich einen.“ So provokant wirbt ein junges Projekt für die Begegnung von Juden und Nichtjuden.

Dieses Angebot nutzte im April 2018 eine Gruppe der EF unserer Schule.

Die Schüler/innen hatten sich im Religions- und Geschichtsunterricht mit Rassismus und Antisemitismus auseinander gesetzt. Die spannende Frage, wie junge Juden heute in Deutschland leben, sollte durch persönliche Kontakte beantwortet werden. Eine Referenten dieser Initiative wurde in die Gesamtschule eingeladen.

Liana Kotliar ist 26 Jahre alt, in Litauen geboren, in Düsseldorf aufgewachsen. Nach ihrem Lehramtsstudium und einem halbjährigen Israelaufenthalt wartet sie auf ihr Referendariat. Kaum älter als die Schüler/innen ist sie sehr offen für alle, auch zum Teil sehr persönliche Fragen. Ob sie nur einen Juden heiraten würde, oder wie sie die komplizierten jüdischen Speisevorschriften handhabe, wird sie gefragt. Beim Fleisch und in ihrer Küche achte sie auf die jüdischen Vorschriften. Aber sie habe kein Problem, in Restaurants vegetarische Gerichte zu essen, ergänzt Liana. Liana hält es auch für wahrscheinlich, einen jüdischen Mann zu heiraten, da sie viel in jüdischen Kreisen verkehre. Aber man wisse nie, in wen man sich einmal verlieben werde, relativiert lachend die Referentin.

Um das Gespräch aufzulockern, hat Liana eine große Tasche gepackt. Das hebräische Alphabet in Form von Magnetbuchstaben und ein Paket Matzen, das sind Brotfladen nur aus Weizen und Mehl, die am jüdischen Pessachfest gegessen werden. Aber auch religiöse Gegenstände zeigt sie den Schüler/innen: eine Sabbat-Kerze, zwei Gebetbücher und ihre eigene Thora im Taschenbuchformat.

Am Ende traut sich Mert nach Lianas Haltung im Nahostkonflikt zu fragen. Sie antwortet folgendermaßen: „ Es ist ultraschwierig, da eine Position zu beziehen. Ich habe jetzt ein halbes Jahr in Israel gelebt. Davor dachte ich, ich habe eine grobe Ahnung. Und als ich da gelebt habe, habe ich festgestellt, man kann es nicht einschätzen, selbst wenn man da lebt. Ich kann als jüdischer Mensch, lebend in Deutschland, meine Meinung dazu sagen. Es ist kompliziert. Ja, die Palästinenser haben definitiv eine Art Anspruch, aber die Juden eben auch. Und man kann unmöglich sagen, wer dort zuerst war oder wer dort den meisten Anspruch hat.“

Schnell gehen eineinhalb Stunden zu Ende. Stellvertretend für viele positive Rückmeldungen soll Leonard zitiert werden:"Ich fand das gut, dass sie alle Fragen von uns beantwortet hat. War gar nicht kleinzukriegen. Hat alles erzählt, was sie erzählen konnte. Alles in allem: super."

Da eine Journalistin anwesend war, können Teile des Gespräches unter folgenden Links nachgehört werden:


WDR5 an der Gesamtschule Bergheim

Radiobeitrag beim Deutschlandfunk


Elisabeth Amling

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