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Gesellschaftskunde

Viele Themen im Fach Gesellschaftkunde berühren direkt das Alltagsleben der Jugendlichen Das Thema Jugendstrafrecht ist dabei eines der spannendsten und wichtigen Themen für Jugendliche. Deshalb gehört praxisnaher Unterricht gerade in diesem Bereich zu den wirkungsvollsten Angeboten. Hier nun vier Beispiele.

Alltag unter der Stasi, Schülerprojekttag am 9.3.11

20 Jahre nach der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR fesselt das Thema "die Staatssicherheit“ (Stasi) immer noch stark die Menschen. Um die Stasi-Methoden kennenzulernen und einen Einblick in die Überwachungsstrukturen in der ehemaligen DDR zu erhalten, war Dr. Hans-Peter Löhn von der Berliner Behörde für die Aufarbeitung der Stasi-Geschichte (BStU) zu Gast und vermittelte nicht nur Grundlagenwissen, sondern sorgte mit vielen Beispielen auch für die notwendige Anschaulichkeit.

In dem eintägigen Workshop zum 'System der Staatssicherheit' wurde für die Schüler/innen des 13. Jahrgangs deutlich, welchen Stellenwert die Stasi in der DDR hatte. Eine Schülerin sprach danach spontan von einem „Albtraum“. Denn zeitweise bildeten 91.000 Menschen einen Staat im Staate. Hatten eigene Wohn- und Arbeitsviertel, sogar die Partner und Kinder wurden ebenfalls der "Firma" zugeführt. Die Staatssicherheit sicherte die Macht mit allen Mitteln, ohne parlamentarische oder gerichtliche Kontrolle, dafür aber mit Bespitzelung, Nötigung, Verschleppung, Folter und Mord.

Die Schüler konnten mittels eines alten Lehrfilms der Stasi mitverfolgen, wie Wohnungen durchsucht und Menschen auf offener Straße verhaftet wurden. In der anschließenden Gruppenarbeit erarbeiteten die Schüler aus jugendlichen Einzelschicksalen entnommen aus Stasi-Akten die Tätigkeit der Staatssicherheit und ihre Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen.

 

Dabei ging es nicht nur um Fakten, sondern auch um Stellungnahmen. Die Schüler mussten für sich entscheiden, ob die Betroffenen Opfer oder Täter waren und ob sie eine Alternative zu ihrem Handeln gehabt hätten.

Nach einer langen engagierten Diskussion war allen klar, dass wegen der permanenten Bedrohung und Überwachung durch die Stasi Entscheidungen nie einfach waren und dass deshalb auch die Urteile über das Verhalten der verschiedenen Personen differenziert ausfallen müssen.

„Jetzt können wir das Leben in der DDR sehr viel besser verstehen“, kommentierte eine Schülerin. Löhn wies in seinem Schlusswort auf die Aktualität der Auseinandersetzung mit dem diktatorischen Regime der DDR hin: „Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, dass ein System wie die Stasi nie wieder Macht und Einfluss bekommt“.

Fotos des Workshops stehen in der Bilder-Galerie.

 

Das Planspiel Kommunalpolitik aus 2010

Zu Beginn des Schuljahres konnte die 11.3 an dem Planspiel Kommunalpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung teilnehmen. Ziel dieses Projektes ist es, Jugendliche für politische Zusammenhänge zu interessieren. Mehrere junge Teamer der Friedrich-Ebert-Stiftung leiteten die drei Tage.

Der erste Tag war trotz vielfältiger Methoden ziemlich anstrengend:  die Schüler erarbeiteten Aufgaben und Chancen von Kommunalpolitik und lernten die verschiedenen politischen Institutionen der Stadt Bergheim kennen. Abschließend sammelten die Schüler Ideen, wie sie ihre Heimatstadt gerne politisch verändern würden. Der Tag endete mit dem Besuch einer echten Ratssitzung. Sehr viel Spaß bereitete den Schülern der zweite Tag.

Aufgeteilt in Fraktionen (mit Ausnahme von Pro- NRW) wurden sie in Kleingruppen mit großem Engagement von Stadtratsabgeordneten betreut, sodass die Ideen durch die Schüler als formal korrekte Anfragen und auch als konkrete Änträge in der Sitzung vorgestellt wurden.

 

Den Höhepunkt bildete die simulierte Ratssitzung geleitet vom stellvertretenen Bürgermeister Helmut Paul (siehe Zeitungsartikel in Werbepost und Stadtanzeiger), in der dann über die Anfragen und Anträge gesprochen wurde.

Die Verwaltung hatte sich mit Ernsthaftigkeit und großem Zeitaufwand mit den Belangen der Schüler auseinandergesetzt, so dass eine interessante Debatte gelang. Die „Schülerratssitzung“ hatte sogar einen realen Erfolg: Die Stadt Bergheim genehmigte ein Projekt zur Gewaltprävention.

An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankesschön an die betreuenden Kommunalpolitiker und die Stadtverwaltung! Impressionen und Bilder von der Aktion befinden sich in der Galerie.

 

Rechtsradikalismus in der Musik - Vortrag in der Schule 2010

Rechtsradikalismus in der Musik war Thema eines Vortrages, den der Historiker H.J. Stockschläger im Auftrag der Friedrich Naumann Stiftung an der Gesamtschule Bergheim für die 10. Klassen hielt.
Zu Beginn seines Vortrages räumte er mit dem Klischee vom glatzköpfigen Rechtsradikalen mit Bomberjacken und Springerstiefeln auf.

Heute hätten rechte Gruppierungen erkannt, dass ein unauffälliges Auftreten viel nützlicher sei. Um Jugendliche an rechtradikales Gedankengut heranzuführen, habe sich seit Anfang der 90er Jahre die Musik als erfolgreichste Werbestrategie erwiesen. Die Verbreitung entsprechender Musik sei sehr hoch. Erstaunt waren die Schüler über die große Spannbreite rechtsradikaler Musik auf. Techno, Punk, Metall, Rock, Rap aber auch Balladen spielte er den Schülern vor. Themen seien Probleme mit Eltern, Freunden oder im Beruf. Häufig wurden der Staat und die demokratischen Politiker verurteilt, die kein Interesse an den Problemen der Jugendlichen hätten. Häufig erst beim genauen Hinhören wurden die z.T. menschenverachtenden Inhalte deutlich, insbesondere in den einfachen und sehr einprägsamen Refrains. Die Angst vor Fremden wird geschürt, einfache Schuldzuweisungen auf verschiedene Gruppen gesucht. Stockschläger erläuterte, dass in diesem Zusammenhang seit 2001 der Antisemitismus wieder sehr zugenommen habe. Andererseits versuchen rechte Gruppen das Lebensgefühl der Jugendlichen zu treffen, indem sie über Feiern/Party, Alkohol und Fußball singen.  

In Gesprächen mit den Jugendlichen arbeitete Stockschläger die Motive heraus, warum viele Jugendliche diese Musik hören: Neugier, die Möglichkeit zu provozieren, der Reiz des Verbotenen und ein humoriges Auftreten ( Zillertalertürkenjäger)  und letztendlich die kostenlose Verbreitung von CDs.
Die NPD habe eine sogenannte Schulhof CD entwickelt, die nicht gegen das Grundgesetz verstoße, aber in einfachen Parolen Jugendliche zur Rebellion gegen die Demokratie auffordere.

Auf die Frage, wie man sich den verhalten solle, forderte Stockschläger die Jugendlichen auf, die CD entweder anzunehmen und zu zerstören oder sie Lehrern zu übergeben und ein kritisches Gespräch über die Inhalte zu suchen.

Immer wieder betonte Stockschläger die Bedeutung der Grundrechte insbesondere das Recht auf Leben und  auf freie Entfaltung. Dementsprechend appellierte er an die Jugendlichen, sich aktiv für die Demokratie einzusetzen und nicht auf simple Lösungswege hineinzufallen: „Auf schwierige Fragen gibt es keine einfachen Antworten“.

 

Ein Tag im Amtsgericht 2008

Gerichtsverhandlung   Im 8.Jahrgang besuchen die Kurse Gerichtsverhandlungen und sprechen mit einem Jugendrichter über die alltägliche Arbeit im Gericht. Im Januar 2008 haben einige Jugendliche nach dem Besuch Berichte geschieben, die wir hier präsentieren.

Da die Klasse 8.1 der Gesamtschule Bergheim im Politikunterricht das Thema Gerichtsverhandlungen durchgenommen hat ,unternahm die Klasse am 10.1.2008 einen Besuch im Bergheimer Amtsgericht.
Um 8.15 Uhr trafen wir am Amtsgericht ein, bereit für die bevorstehenden Verhandlungen. Jeder einzelne Schüler musste sich vorerst der Untersuchung eines Metalldetektors unterziehen, um sicher zu stellen, dass  keine Waffen oder sonstige gefährlichen Gegenstände in Taschen, Jacken etc. der  Schüler befanden.
Angekommen in der Wartehalle für Zeugen, Täter und Zuschauer teilte sich die Klasse 8.1 in Zweiergruppen für die jeweilige Verhandlung ein.
Dann ging es endlich los. Dachten wir zumindest.Doch die ersten beiden Verhandlungen fielen aus aufgrund fehlender Zeugen bzw. Täter. Allgemeine Enttäuschung machte sich breit. Doch dann die Überraschung, ein Wunder geschah.
Zur dritten Verhandlung erschienen glücklicherweise alle Personen. Die eingeteilten Gruppen schrieben bei dieser Verhandlung, die teilweise sogar spannend war, mit.
Die angehende Pause nutzten die meisten Schüler zum kurzen Shopping Trip durch die Bergheimer Innenstadt. Zurück im Amtsgericht standen  der 8.1 noch zwei Verhandlungen bevor. Auch diese haben wir mit Neugier verfolgt. So ging unser Tag im Bergheimer Amtsgericht zu Ende.
Carolina und Sina

Am Donnerstag, den 10.01.2008, konnte unsere Klasse das Amtsgericht Bergheim besuchen. Im Politikunterricht hatten wir nämlich das Thema Jugendrecht- Jugendkriminalität durchgenommen.
Nach einer Taschenkotrolle warteten wir vor dem Gerichtssaal VI, da dort Herr Kumpmann seine Verhandlungen führt. Wir klärten  ab, wer welchen Fall mittels eines Beobachtungsbogens besonders beobachten sollte. Nun konnten wir in den Gerichtssaal.
Als erstes kam der Staatsanwalt, kurze Zeit drauf die Schriftführerin und einige Minuten später der Richter. Wir saßen alle gespannt auf unseren Plätze und hofften, das es bald anfing. Doch beim ersten Fall erschienen weder die Angeklagten noch die Zeugen. Wir waren etwas enttäuscht. Auch der zweite Fall endete schnell, da leider nur die Zeugen anwesend waren, daher wurde der Fall vertagt. Der Richter nutzte die Zeit, indem wir ihn ausführlich über seine Arbeit befragen durften.

Erst beim dritten Fall konnten wir miterleben, wie eine Gerichtsverhandlung funktioniert. Der Angeklagte wurde wegen Körperverletzung angeklagt. Da es viele Zeugen gab, konnten wir nun erfahren, wie Richter und Staatsanwalt eine Befragung durchführen. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 10 € verurteilt.
Während dieses Falles war die Atmosphäre im Raum angespannt, der Angeklagte saß aber locker auf seinem Stuhl, so als würde ihn das alles nicht interessieren. Dies hat sich sicher nicht zu seinen Gunsten ausgewirkt.
Leider fiel auch der vierte Fall aus, weil zwei wichtige Personen fehlten:  der Angeklagte (da er krank war) und ein Zeuge. So wurde auch dieser  Fall vertagt. Unsere Stimmung kippte wieder, alle waren enttäuscht, da sich die Straftat interessant anhörte.
Zum Glück waren die letzte Verhandlungen noch sehr spannend. Es ging wieder um Körperverletzung in einer Kneipe. Die Angeklagte stritt jedoch alles ab und behauptete sogar, gar nicht anwesend gewesen zu sein. Sie beschuldigte ihre Freundin. Da diese unbedingt als Zeugin benötigt wurde, wurde auch diese Verfahren vertagt.
Im letzten Fall ging es um eine Schlägereien unter Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen. Diesmal zeigte der Angeklagte Reue und versprach Besserung. Es zeigte sich aber, dass er schon häufig straffällig geworden war und somit schon einige Erfahrungen mit Gerichtsverhandlungen hatte.
Uns persönlich hat der Tag im Amtsgericht sehr gefallen. Obwohl viele Fälle ausgefallen sind bzw. vertagt wurden, haben wir viel über den Gerichtsalltag erfahren und wir hatten auch viel Spaß. Das lag auch an dem Richter, der sich viel Mühe gemacht hat, uns die Wartezeiten mit interessanten Erzählungen zu verkürzen.
Alexandra und Lisa

 

Verantwortlich für die Präsentation ist Elisabeth Amling

Elisabeth Amling

Link-Tipp
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