Mit Bienen und Blumen für eine bessere Zukunft

Ralf Engels pflegt Wiesen und Wald hinterm Martinswerk

Blumen.PNGDer Meeresboden sieht aus wie eine Mondlandschaft. Wo einst Korallen wuchsen und unzählige bunte Fische lebten, ist es trostlos geworden. Vom tropischen Unterwasserparadies ist nicht mehr viel übrig. So beschreibt Ralf Engels seine Eindrücke von den Malediven. Vor 35 Jahren führte die Hochzeitsreise ihn und seine Frau auf das damalige Insel-Paradies. Vor kurzer Zeit war Ralf Engels wieder dort und traute seinen Augen nicht. Was er beim Schnorcheln sah, war erschreckend.  „Das hat mich gewaltig geprägt. Da habe ich gesehen, dass es später ist als fünf vor zwölf“, erzählt er uns. „Wir zerstören die Natur. Das kann so nicht weitergehen“, dachte sich der Quadrather und fing direkt vor seiner Haustür an.

Immer wenn er mit seinem Hund auf den Feldern hinter seinem Haus Gassi ging, ärgerte er sich über achtlos weggeworfenen Müll und begann diesen einzusammeln. Vor fünf Jahren pachtete er dann vom Martinswerk eine 2,5 Hektar große Fläche und legte auf einer verwilderten Wiese los. „Ich habe da Obstbäume gesetzt und eine Insektenwiese angelegt“, erzählt der Ruheständler. Seitdem ist Ralf Engels aktiver Umweltschützer. Auf dem Gelände entlang der Straße Am Rauland verbringt er je nach Jahreszeit mehrere Stunden täglich. Dabei beobachtet er Tiere wie Rehe, Füchse, Hasen, Eichhörnchen und viele Vogelarten. Bei seinen Rundgängen entdeckt er alte Farbeimer, Altkleider-Säcke, Fernseher, Computer und Drucker. Ist er mit dem Müllsammeln fertig, pflegt er Gehölze, setzt neue Bäume und kümmert sich um die Insektenwiesen. Einen befreundeten Imker konnte er überzeugen, auf der Obstbaum-Wiese Bienenstöcke aufzustellen. Seitdem produzieren sie dort „Rauländer Honig“, den sie für fünf Euro pro Glas verkaufen. Der Erlös aus dem Honigverkauf wird reinvestiert, z.B. in neues Saatgut für Bienenwiesen. Das ist zwar nur ein kleiner Beitrag für den Insektenschutz, aber dennoch wichtig. Schließlich ermittelten die ehrenamtlichen Insektenkundler des Entomologischem Vereins Krefeld, dass zwischen 1989 und 2016 die Gesamtmasse der Fluginsekten in Deutschland um mehr als 75 Prozent abgenommen hat.

Ralf Engels aktuelles Projekt ist der ehemalige Fußballplatz hinterm Martinswerk. Hier soll ein riesiges Klatschmohn-Feld entstehen. Die teuren Samen stellte die Kreisstadt Bergheim zur Verfügung. Über den Budgetbeirat in Quadrath-Ichendorf konnte ein dringend benötigter Balkenrasenmäher angeschafft werden.

DSCN2545.JPGWarum wird ein ehemaliger KFZ-Mechatroniker zum Umweltschützer? „Ich tue das für meinen Sohn und seine Kinder. Ich will die jungen Menschen rumkriegen, anders zu denken“, erklärt uns der 60jährige. Bedingt durch die Corona-Pandemie ist Ralf Engels im Moment nur allein auf dem Gelände unterwegs. Für Sommer oder Herbst plant er bereits eine Benefizaktion für krebskranke Kinder in Zusammenarbeit mit dem Verein „Dat kölsche Hätz“. Unterstützt von Rewe Richrath und den Sängern Peter Brings und Michael Rhein will er ein Picknick in der Natur mit Alpaka-Streicheln organisieren. Auch Schulklassen möchte er durch das Gelände führen und für den Naturschutz sensibilisieren. „Ich finde es gut, wenn sich Jugendliche für eine bessere Zukunft im Rahmen von fridays for future engagieren“, sagt Ralf Engels und wünscht sich, dass sich auch die Unterwasserwelt der Malediven wieder erholt.

Matteo Toplicar (17) und  Marvin Schiffer (17), Gesamtschule Bergheim