Berlin Berlin! 

Kursfahrt des Leistungskurse Geschichte Q2

1. Tag

Mit guter Laune, vielen nicht nur historischen Fragen und Plänen begann die Kursfahrt des Lks Ge in Quadrath. Schon im Zug nach Berlin wurde deutlich, dass diese Fahrt gelingen wiürde: gute Laune, trockener Humor, viele Ideen und Pläne wurden geschmiedet.

Berlin-WA0018.jpgNach einer kurzen Verschnaufpause in der Unterkunft gewann die Gruppe bei einem Stadtrundgang mit ihrer Leistungskurslehrerin einen Überblick über die (historische) Mitte Berlins: Vom Alexanderplatz (ein erster Einstieg in Architektur und Geschichte der DDR) führte der Rundgang weiter über das zum Anlass des 750. Geburtstags 1987 rekonstruierte Nicolaiviertel zum ersten Höhepunkt, an dem sich bundesrepublikanische Gegenwart und ältere Vergangenheit kreuzen: das Reichstagsgebäude, seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestages. Diese Reise durch die verschieden Abschnitte deutscher Geschichte setzte sich in den kommenden zwei Tagen fort.

Auch das Marx- und Engelsforum, der Berliner Dom, das wieder aufgebaute Schloss (die Frage, ob es gelungen sei, wird kontrovers diskutiert), und die Museumsinsel wurden besichtigt. Schon bald schwirrte einigen der Kopf aufgrund der zahlreichen Zahlen und Fakten zu Friedrichs und Wilhelms- ? `Wie sah noch einmal Marx aus? - Wie Engels oder Lenin?

Die Führung endete im Deutschen Historischen Museum: Voller Begeisterung zeigte Frau Amling der Gruppe zahlreiche Gemälde , mit denen sich der Kurs in den letzten eineinhalb Jahren im Unterricht beschäftigt hatte. Ein bisschen der Begeisterung ist übergeschwappt.

2. Tag:

Berlin-WA0019.jpgAm Freitag besuchte die Gruppe den Bundestag, lange Kontrollen von Person und Gepäck waren nötig, aber dann konnten wir einer sehr spannenden Debatte lauschen. Die fast beendete Aussprache zur Stärkung der Auswärtigen Bildungs- und Kulturpolitik, wurde infolge eines Antrags der Grünen pausieren, da der Zuständige Minister Maas nicht auf der Regierungsbank saß. Anschaulich wurde uns die Macht des Parlamentes demonstrierte, denn Herr Maas musste eine Sitzung mit osteuropäischen Kollegen unterbrechen und erschien dann wenig später im Bundestag. Für uns Rheinländer war der nächste Tagungsordnungspunkt besonders interessant: Die AFD forderte eine Aussetzung des Kohlekompromisses. Leider konnten wir der Aussprache nur kurz folgen, da jede Gruppe nur 50 Minuten Zeit hat. Außerdem wartete Matthias Birkwald, MdB der Linken, schon auf uns. Er hatte uns den Besuch ermöglicht und stellte sich dann einer Stunde den Fragen der Schüler*innen. Hauptthema waren die Aufgaben eines Bundestagsabgeordneten.

Der Besuch des Bundestages endete mit einem leckeren Mittagessen im Restaurant des Paul-Löbe-Hauses mit Blick auf Spree und Bundeskanzleramt. Noch einmal herzlichen Dank für die Einladung !

Berlin-WA0003.jpgZum Ausruhen blieb wenig Zeit, denn ein Gang zum und durch das Denk-Mal für die ermordeten europäischen Juden schloss sich an. Die Führerin forderte uns erst zunächst auf, Fünf Minuten alleine durch das Denkmal zu gehen: Gefühle wie Desorientierung, Verwirrung, Bedrückung, aber auch Hoffnung kamen auf. Nach einer längeren Diskussion über die Deutung des Mahnmals betraten wir den zweiten Teil, das Informationszentrum unter den Stehlen. Insbesondere die Biographien von im Holocaust ermordeten jüdischen Familien aus ganz Europa und die in einem Raum projizierten Auszüge von Abschiedsbriefen haben uns alle sehr berührt.

3. Tag

Berlin-20200202-WA0006.jpgDer letzte Tag stand ganz im Zeichen der deutschen Teilung. In der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße stehen noch einige Reste der Berliner Mauer. Unserer Führerin erläuterte uns anschaulich die Bau- und Funktionsweise der Mauer und informierte über die durch den Mauerbau getöteten Menschen in Berlin.

Der Abschluss der Fahrt bildete der Besuch des „Stasi-Gefängnisses“ in Hohenschönhausen. Dass wir von einem Zeitzeugen geführt wurden, war ein großer Gewinn. Aus eigener Erfahrung schilderte er den perfiden psychologischen Terror, durch den die Menschen in diesem Untersuchungsgefängnis gebrochen wurden. Grund für seine Inhaftierung war ein misslungener Fluchtversuch an der deutsch-tschechischen Grenze: Er hätte es nicht mehr ausgehalten, im Erdkundeunterricht vieles über fremde länder, verschiedene Klimazonen und fremde Vegetation zu lernen, im Wissen, viele von ihnen niemals erleben zu dürfen. Sei Fluchtversuch sei aus Freiheitsdrang geschehen, keine politischen Motive im engeren Sinne bestimmten sein handeln. Er musste seinen Ausbruchsversuch mit 18 Monaten Zuchthaus büßen.

Aber auch das Gebäude selber veranschaulichte auf bedrückende Weise den Unrechtscharakter des SED-Regimes in der DDR: Wir besuchten die engen fensterlosen Zellen, die Verhörzimmer und die sogenannten „Tigerkäfige“, kleine offene Schachte, in denen die Inhaftierten häufig nur für wenige Minuten an die frische Luft kamen.

Leider war die Fahrt nach zwei Tagen zu Ende. Wir, Lehrerinnen und Schüler*innen sind uns einig: Wir Schüler*innen haben sehr viel gelernt, eindrückliche die deutsch Geschichte erfahren, aber auch Schönes erlebt, denn die Gruppe hat sehr gut harmoniert und das große Interesse hat uns Lehrerinnen angesteckt und motiviert, solche Exkursionen auch in Zukunft zu organisieren!

Ein Vormittag im Bundestag

Berlin-WA0000(1).jpgDen Freitagvormittag verbrachten wir, Teile des Geschichte LK’s der Q.2 begleitet von Frau Amling und Frau Heppekausen, in dem Reichstagsgebäude der Bundesrepublik Deutschland, auch bekannt als der Bundestag. Nachdem wir es alle durch die Sicherheitskontrolle geschafft hatten, die denen an einem Flughafen ähnelten, bekamen wir eine kurze Einführung mit Informationen über die Funktionsweise des Bundestages und den Aufgaben der Abgeordneten. Dann wurde es spannender. Wir durften mit unseren Besucherausweisen auf die Besuchertribüne des Plenarsaals, in dem das gewählte Parlament im Sitzungen abhält, diskutiert und über Gesetzesvorschläge und Beschlüsse abstimmt. Auf der Tagungsordnung stand als Top 20: „Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik“. Zu Beginn vermuteten vielleicht einige von uns, dass sich die Langeweile schnell einstellen würde, da die Themen für uns Schülerinnen und Schüler doch teilweise sehr kompliziert sein könnten und Debatten auch nicht so spannend sind, wie unsere Netflix-Lieblingsserie. Bei genauerem Zuhören waren die Beiträge der Bundestagsabgeordneten jedoch sehr aufschlussreich. Wir bekamen beispielsweise die direkte, im Vergleich zu anderen Reden, heftige Reaktion auf die Rede eines AfD-Abgeordneten zum Thema Kohleausstieg mit, die zweite Debatte, die wir verfolgen konnten. Dies war für uns ein Beispiel dafür, dass es im Parlament auch mal laut werden kann, mit Zwischenrufen. Wir erlebten, wie viele Journalisten anwesend sind, um das Geschehen zu verfolgen. Wir registrierten auch,dass einige Menschen am Rande der Debatte beteiligt sind, damit das System möglichst reibungslos funktioniert (Stenografen, Besucherführer,Sicherheitspersonal...). Zu unserer Überraschung wurde die beobachte Plenarsitzung unerwartet spannend, denn wir bekamen mit, wie es zu einer plötzlichen Unterbrechung kam. Unser Außenminister Heiko Maas verließ den Plenarsaal, um an einer parallel stattfindenden Sitzung teilnehmen zu können, statt bei der Debatte über ein außenpolitisches Thema anwesend zu sein. Wir sahen live, wie die wütenden Parlamentarier ihre Rechte nutzten, für die Unterbrechung der Sitzung stimmten und Heiko Maas sich vor dem Parlament erklären musste. Eine Demonstration dessen, wie Politik tatsächlich verlaufen kann. Plenarsitzungen des Bundestages können also doch interessant sein. Um ehrlich zu sein, haben wir damit nicht gerechnet.

Ein weiteres Highlight war das anschließende Gespräch mit dem Abgeordneten der Linken und Diplom-Sozialwissenschaftler Matthias W. Birkwald. Er schilderte uns eine „normale“ Woche als Bundestagsabgeordneter, die aus fünf 10-13 Stunden Tagen besteht und Außenterminen/ Lobbyveranstaltungen am Abend und dem Wochenende beinhaltet. Er stand uns Rede und Antwort für unsere Fragen z.b. wie: „Lässt sich Politik und Privatleben vereinen?“ Diese Frage verneinte er mehr oder weniger, an seiner Arbeit störe in häufig unkonkrete Antworten in Fragerunden oder Streitigkeiten in seiner Fraktion.

Uns wurden die positiven Seiten wie auch die Schattenseite und Probleme der Politik im Bundestag bewusster. Anschließend an das Gespräch durften wir noch den Panoramablick von der Glaskuppel aus genießen und als Fotokulisse nutzen. Gratis erhielten wir neben Tipps zur Rentenvorsorge auch ein Mittagessen im Paul-Löbe Haus (Abgeordneten-Haus), finanziert über das Kontingent des Bundestagsabgeordneten Birkwald, welches jedem Abgeordneten zusteht.

Neben dem Tag im Bundestag besuchten wir auch das Museum der Deutschen Geschichte, das Denkmal für die ermordeten Juden Europas und das darunter liegende Museum, die Gedenkstätte Berliner Mauer und das Stasi-Museum. All diese Besuche, Führungen und Begegnungen waren so einprägsam und zu solch wichtigen Themen, dass man eigentlich über jedes Einzelne berichten müsste.

Mariama Martha M ́Baye